Zum Glück gibt es Aktien!
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Gerds Blog

Foto: Simon Haufe

 

 





2022-02-19

Ein Punkt stört mich an ETFs

ETFs haben viele Vorteile, aber auch Nachteile. Wie fast bei fast allem im Leben: Es gibt (mindestens) zwei Seiten. Da inzwischen viel über die Vorteile veröffentlicht wurde, möchte ich heute einen Punkt beleuchten, der mich an ETFs stört. Wie wir wissen, wird der ETF als Indexfonds nicht aktiv gemanagt, sondern der Index wird passiv = prognosefrei nachgebildet. Alle Werte, die im Index enthalten sind, sind auch im ETF versammelt. Das bedeutet nicht, dass der ETF statisch ist. Das Portfolio lebt, es verändert sich. Werte kommen raus und rein, so wie der Indexanbieter es vorgibt. Das ist der Knackpunkt. Wann kommt ein Wertpapier rein und wann raus?
Ein Artikel von Capital (Link:https://www.capital.de/geld-versicherungen/risiken-etfs) hat auf die prozyklische Systematik von ETFs hingewiesen. Prozyklisch bedeutet mit dem Börsenzyklus handeln und nicht gegen ihn. Das hört sich erst mal gut an, denn mit dem Strom schwimmen ist leichter, als gegen ihn anzukämpfen. Es bedeutet dann zu kaufen, wenn ein Wert sich in einer sichtbaren Aufwärtsbewegung etabliert hat, was nichts anderes bedeutet, dass der Wert schon gestiegen sein muss. Beim Verkauf ist es umgekehrt. Der Kursrückgang muss offensichtlich sein. Finden Sie das erfolgversprechend? Stellen Sie sich vor, sie wollen ihr Auto volltanken. Wenn Sie nicht gerade auf einer Reise mit zur Neige gehenden Reserve tanken müssen, werden Sie einen möglichst günstigen Spritpreis nutzen wollen. Sie würden nicht warten, bis der Preis stark gestiegen ist. Sondern dann tanken, wenn der Preis gerade günstig ist. Diese Vorgehensweise ist auch bei Aktien sinnvoll, dort wird sie als antizyklische Anlagestrategie bezeichnet. 
Warum agieren ETFs prozyklisch? Das liegt an der Systematik vieler Wertpapierindizes, die von den ETFs nachgebildet werden. Das beschreibt der Artikel von Capital. Bei Aktien-ETFs wird die Aufnahme und Gewichtung von der Marktkapitalisierung beeinflusst und diese hängt von der Kursentwicklung der Aktie ab. Je höher der Aktienkurs, desto höher die Marktkapitalisierung, je höher das Gewicht im Index, desto höher das Gewicht im ETF.
Schauen wir uns als Beispiel zwei Aktien im Zusammenhang mit dem führenden deutschen Aktienindex DAX an: Wirecard und Delivery Hero.
Bevor Wirecard in den DAX kam, legte die Aktie einen bilderbuchmäßigen Höhenflug hin, um dann als Bestandteil des DAX im Laufe der Zeit über 99 % im Kurs zu verlieren. Nach dem Kursverfall wurde Wirecard vom Indexanbieter aus dem DAX entfernt, um von der Deliverly Hero-Aktie ersetzt zu werden. Deren Kurs hatte sich verdoppelt, wohlgemerkt bevor die Aktie in den DAX kam. Seit Delivery Hero im DAX eine Heimat gefunden hat, halbierte sich der Kurs wieder (Stand Mitte Februar 2022). Meine These ist nun, dass dies kein Zufall war und ist, sondern Aktien müssen (stark) steigen, um in den Index zu kommen. Und falls der Kurs einer Aktie im Index stark fällt, droht das Risiko aus dem Index eliminiert zu werden. Dieser Zusammenhang stört mich an ETFs.
Sehen Sie das auch so? Oder haben Sie Fragen? Schreiben Sie einen Kommentar unter den Artikel!

Admin - 13:57:15 @ Gerds Blog | Kommentar hinzufügen